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Ohrenentzündung beim Hund: was jetzt hilft

Kopfschütteln ist keine Angewohnheit. Woran ich eine Ohrenentzündung erkenne, warum die Ursache wichtiger ist als das Medikament, und was ich von Hausmitteln halte.

Dr. med. vet. Márcia Cavalcanti Überarbeitet am 9. September 2026 3 Minuten Lesezeit

Hund schüttelt sich auf einer sonnigen Wiese, die Ohren fliegen dabei nach oben
Wenn das Kopfschütteln nicht mehr nur nach dem Baden kommt, sondern jeden Tag, steckt fast immer etwas im Ohr.

Wenn ein Hund tagelang den Kopf schüttelt, ist das keine Angewohnheit. Der häufigste Grund dafür ist eine Ohrenentzündung, und sie gehört zu den Diagnosen, die ich in meiner Sprechstunde am öftesten stelle. Behandelt man sie richtig, ist sie in ein bis zwei Wochen erledigt. Behandelt man nur die Entzündung und nicht ihre Ursache, kommt sie wieder.

Woran ich eine Ohrenentzündung erkenne

Meist erzählen mir meine Kunden schon beim Hereinkommen die halbe Diagnose: Er schüttelt den Kopf. Er kratzt sich am Ohr, oft mit der Hinterpfote. Er hält den Kopf ein bisschen schief. Und wenn ich mich vorbeuge, rieche ich es, noch bevor ich hineinsehe. Ein gesundes Hundeohr riecht nach fast nichts, ein entzündetes süßlich oder ranzig.

Woran Sie es zu Hause merken, meist in dieser Reihenfolge:

  • Kopfschütteln, besonders morgens und nach dem Spaziergang
  • Kratzen am Ohr, manchmal so heftig, dass die Ohrmuschel wund wird
  • Ein Ohr, das anders riecht als sonst
  • Dunkles, schmieriges Sekret oder deutlich mehr Ohrenschmalz
  • Ihr Hund zuckt zurück, wenn Sie ihn am Kopf anfassen

Wenn er sein Ohr über den Teppich schiebt, juckt es bereits erheblich. Ohrenschmerzen kennen Sie von sich selbst, und ein Hund kann nichts anderes tun, als daran zu kratzen.

Warum sie immer wiederkommt

Das ist der Punkt, an dem ich am häufigsten widerspreche, wenn jemand sagt, das sei jetzt schon das dritte Mal in diesem Jahr. Bakterien und Hefepilze sind fast immer beteiligt, aber sie sind selten der Anfang. Sie sind das, was passiert, nachdem etwas anderes das Milieu im Ohr gekippt hat.

Bei einem Hund mit Hängeohren, der gern schwimmt, ist es die Feuchtigkeit. Von Juni bis September finde ich fast wöchentlich eine Granne im Gehörgang, also die Ährenspitze eines Grases: Sie hat Widerhaken und wandert nur in eine Richtung, nämlich weiter hinein. Bei jungen Tieren sind es oft Ohrmilben.

Und bei den Hunden, die es immer wieder trifft, steckt in den meisten Fällen eine Allergie dahinter. Das Ohr ist bei einer Allergie oft das erste Organ, das reagiert, lange bevor sich die Haut an Pfoten oder Bauch entzündet. Deshalb lautet meine Frage beim dritten Mal nicht mehr, welches Medikament es diesmal sein soll, sondern was das auslöst. Eine Ausschlussdiät ist mühsam und dauert acht bis zwölf Wochen, aber sie ist der einzige Weg aus diesem Kreislauf.

Warum ich von Hausmitteln im Ohr abrate

Kamillentee, Kokosöl, Apfelessig, Teebaumöl. Ich rate von allen vieren ab, und zwar aus einem sehr praktischen Grund: Sie können von außen nicht sehen, ob das Trommelfell noch intakt ist. Ist es das nicht, läuft alles, was Sie hineingeben, ins Mittelohr, und dort ist manches davon giftig für den Hör- und Gleichgewichtsnerv. Öl schmiert außerdem den Gehörgang zu, und ich sehe danach erst einmal gar nichts mehr.

Dasselbe gilt für Wattestäbchen, auch wenn sie gut gemeint sind. Sie schieben das Sekret genau dorthin, wo es niemand mehr herausholen kann, ohne den Hund in Narkose zu legen.

Was ich mache, wenn Sie kommen

Den Gehörgang untersuche ich immer mit dem Videoendoskop, in beiden Ohren, auch im unauffälligen. Das Bild geht vergrößert auf einen Monitor, und Sie sehen genau das, was ich sehe.

Die eigentliche Frage ist, was hinter der Entzündung steckt: Hefen, Bakterien, Milben, oder mehreres zusammen. Davon hängt ab, welches Präparat überhaupt wirkt, denn ein Mittel gegen Hefepilze richtet gegen Stäbchenbakterien nichts aus.

Dann wird gereinigt, behandelt, und nach zwei Tagen schaue ich noch einmal hinein. Diesen Kontrolltermin lassen viele aus, weil der Hund schon wieder munter wirkt, und genau daran liegt es oft, wenn die Entzündung Wochen später zurückkommt. Beschwerdefrei heißt nicht ausgeheilt.

Wann Sie nicht bis morgen warten sollten

Ein plötzlich schief gehaltener Kopf, Taumeln, ein Auge, das anders aussieht als das andere, oder ein Ohr, das Ihr Hund gar nicht mehr anfassen lässt: Das sind Zeichen dafür, dass die Entzündung nicht mehr nur im äußeren Gehörgang sitzt, sondern Richtung Mittel- oder Innenohr wandert. Dann rufen Sie bitte noch am selben Tag an.

Bei Katzen ist es dasselbe Bild, nur fällt es später auf, weil sie sich zum Kratzen zurückziehen. Wenn eine Katze sich ein Ohr blutig kratzt, ist das kein früher Befund mehr.

Dr. med. vet. Márcia Cavalcanti
Mein Tipp als Tierärztin

Zwei Minuten pro Woche sparen Ihnen den halben Herbst

Nehmen Sie sich einmal die Woche die Ohren Ihres Hundes vor. Ohrmuschel hochklappen, hineinsehen, kurz daran riechen. Sie werden schnell wissen, wie das gesunde Ohr Ihres Hundes aussieht und riecht, und genau deshalb fällt Ihnen die Veränderung dann drei Wochen früher auf. Das ist der Unterschied zwischen ein paar Tagen Ohrentropfen und einer Entzündung, die sich über Monate festsetzt. Und wenn Sie unsicher sind, rufen Sie an. Ich schaue lieber einmal zu oft in ein Ohr als einmal zu spät.

Dr. med. vet. Márcia Cavalcanti

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