GOT beim Tierarzt: so entsteht die Rechnung
Warum eine Tierarztrechnung so aussieht, wie sie aussieht, und warum ich nicht einfach billiger sein darf, auch wenn ich es manchmal gern wäre.
Tierarztkosten sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, und ich verstehe jeden, den das verunsichert. Was dabei selten erklärt wird: Wie hoch eine Rechnung ausfällt, entscheide ich nicht frei. Die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte, kurz GOT, ist eine Rechtsverordnung des Bundes und gibt für jede Leistung einen Rahmen vor, an den jede Praxis in Deutschland gebunden ist.
Was die GOT vorgibt
Sie stammt in ihrer ersten Fassung aus dem Jahr 1940 und wurde zuletzt zum 22. November 2022 grundlegend novelliert. Im Gebührenverzeichnis steht jede tierärztliche Leistung mit einer eigenen Nummer: die allgemeine Untersuchung, die Injektion, die Narkose, jede Laborbestimmung. Was Sie auf Ihrer Rechnung als Positionsliste sehen, ist genau dieses Verzeichnis, abgearbeitet für Ihren Termin. Medikamente laufen getrennt davon, nach der Arzneimittelpreisverordnung.
Die GOT nennt keine Festpreise, sondern einen Rahmen: vom einfachen bis zum dreifachen Satz, stufenlos. Welcher Satz gilt, richtet sich nach Zeitaufwand und Schwierigkeit. Ein Beispiel aus meinem Alltag: Die Untersuchung eines entspannten Labradors, der sich freiwillig abtasten lässt, ist eine andere Leistung als dieselbe Untersuchung bei einer Katze, die sich mit allen vier Pfoten wehrt und für die ich eine zweite Person brauche. Gleiche Positionsnummer, anderer Aufwand, anderer Satz. Der Faktor ist keine Verhandlungssache und kein Preisschild, er muss sich am Fall begründen lassen.
Darf ich nicht einfach günstiger sein
Diese Frage bekomme ich oft, und die Antwort ist unbequem: Unter den einfachen Satz darf ich nur, wenn wir das im begründeten Einzelfall vor der Behandlung schriftlich vereinbaren. So steht es in § 5 GOT. Wer als Praxis dauerhaft darunter abrechnet, verstößt gegen geltendes Recht.
Das ist keine Formalie. Eine Gebührenordnung ohne Untergrenze wäre eine Einladung zum Preiswettbewerb, und Preiswettbewerb in der Medizin geht immer zulasten dessen, der ihn nicht sieht. In diesem Fall das Tier.
Warum die Anpassung sich so angefühlt hat
Zwischen der vorletzten und der aktuellen Fassung lagen mehr als zwanzig Jahre. In dieser Zeit haben sich Löhne, Energiekosten, Gerätepreise und die Anforderungen an Hygiene und Dokumentation erheblich verändert. Grundlage der Novelle war eine wissenschaftliche Bewertung im Auftrag des Bundesministeriums, und deren Ergebnis war eindeutig: Die alten Gebühren deckten die Kosten nicht mehr.
Dass die Anpassung dann auf einen Schlag kam, ist der eigentliche Grund für den Schock. Ein Sprung nach zwanzig Jahren fühlt sich anders an als eine regelmäßige kleine Anpassung, obwohl unter dem Strich dasselbe herauskommt. Die Bundestierärztekammer sieht das genauso und spricht sich für planbare, schrittweise Anpassungen aus. Zur Debatte über angeblich unfaire Abrechnung hat sie eine Position, der ich mich anschließe:
Die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte ist kein Instrument zur Benachteiligung von Tierhaltenden. Im Gegenteil: Sie schafft Transparenz, setzt verbindliche Unter- und Obergrenzen und schützt damit sowohl Tierhaltende als auch die Qualität der tierärztlichen Versorgung.
Bundestierärztekammer, Stellungnahme vom 22. Mai 2026. Eine allgemein verständliche Erklärung für Tierhalter steht auf den Seiten der Bundestierärztekammer.
Was ich Ihnen zusagen kann
Auf einer korrekten Rechnung finden Sie zu jeder Position die Leistung, die Nummer, den Faktor und den Betrag. Wenn Ihnen etwas nicht klar ist, fragen Sie nach. Das ist kein Misstrauen, sondern Ihr gutes Recht, und mir ist eine Nachfrage lieber als stiller Ärger, von dem ich nie erfahre.
Vor jedem größeren Eingriff bekommen Sie von mir eine Kostenschätzung. Und wenn während einer Behandlung etwas hinzukommt, das vorher nicht absehbar war, rufe ich an, bevor ich es mache. Wie das bei mir in der Praxis läuft, steht unter Kontakt und Abrechnung; ob eine Tierkrankenversicherung für Sie sinnvoll ist, habe ich getrennt aufgeschrieben.

Sagen Sie es mir, bevor die Rechnung kommt
Wenn Ihnen etwas zu teuer ist, ist das kein heikles Thema, sondern ein normales Gespräch. Fast immer gibt es einen Weg, der weniger kostet und medizinisch vertretbar bleibt: ein kleineres Laborprofil, eine Kontrolle in vier statt in zwei Wochen, ein Wirkstoff ohne Markennamen, eine Behandlung in zwei Schritten. Was ich nicht kann, ist eine erbrachte Leistung nachträglich billiger machen. Vorher reden wir also, nachher rechne ich ab. Und rufen Sie an, bevor Sie eine Behandlung aus Kostengründen ganz absagen, denn das ist am Ende fast nie die günstigste Lösung.
Dr. med. vet. Márcia Cavalcanti
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