Naturheilkunde für Hunde: was sie kann
Pflanzliche Mittel setze ich gern ein, aber nicht überall. Wo sie meinen Patienten helfen, wo ich ablehne, und warum natürlich nicht nebenwirkungsfrei heißt.
Ja, Naturheilkunde hat in der Tiermedizin ihren Platz, und ich setze sie ein. Aber sie ist eine Ergänzung zur Schulmedizin, kein Ersatz für sie. Diese Unterscheidung ist keine Formsache: Sie entscheidet darüber, ob ein Tier von einer sanften Behandlung profitiert oder ob es Wochen verliert, in denen etwas Wirksames nötig gewesen wäre.
Was ich einsetze, und wobei
Ich arbeite mit Pflanzenmedizin, also mit Auszügen aus Heilpflanzen: Mariendistel, Brennnessel, Weidenrinde, Teufelskralle, Kamille. Sie haben messbare Wirkstoffe, sind am besten untersucht, und ihr Anspruch ist ehrlich: den Körper unterstützen, nicht eine Krankheit an seiner Stelle heilen.
Wo das bei meinen Patienten wirklich etwas bringt:
- Bei chronischen Erkrankungen von Leber und Niere. Eine ältere Katze mit eingeschränkter Nierenfunktion begleite ich über Jahre, und da zählt Verträglichkeit genauso wie Wirkung.
- Bei Arthrose und steifen Gelenken, neben Gewicht, Bewegung und, wenn es sein muss, einem Schmerzmittel. Was zusammenpasst, schauen wir uns in der Sprechstunde für den Bewegungsapparat in Ruhe an.
- Nach einer Antibiotikagabe, wenn die Verdauung sich wieder sortieren muss.
- Bei Unruhe vor Silvester oder langen Autofahrten. Hier ist der Anspruch bescheiden, und genau deshalb funktioniert es oft.
- Bei alten Tieren, bei denen eine große Behandlung nicht mehr in Frage kommt und es darum geht, dass die verbleibende Zeit gut ist.
Wo ich Nein sage
Bei einer bakteriellen Infektion braucht es ein Antibiotikum. Bei einer Gebärmuttervereiterung eine Operation, und zwar heute. Bei starken Schmerzen ein Schmerzmittel, das wirkt. Gegen Spulwürmer richtet keine Kräutermischung etwas aus, das habe ich bei den Würmern aufgeschrieben. Und bei einem Notfall zählt nur, wie schnell Sie hier sind.
Der Schaden entsteht dabei selten durch das Mittel selbst, sondern durch die verlorene Zeit.
Pflanzlich heißt nicht harmlos
Eine Pflanze, die wirkt, kann auch schaden. Sonst würde sie nicht wirken.
- Ätherische Öle sind für Katzen gefährlich. Ihnen fehlt ein Enzym in der Leber, mit dem Hunde und Menschen diese Stoffe abbauen. Teebaumöl, Duftlampen und Raumsprays können zu schweren Vergiftungen führen.
- Knoblauch und Zwiebeln werden in Foren gegen Zecken empfohlen und zerstören in ausreichender Menge rote Blutkörperchen.
- Wechselwirkungen sind real. Johanniskraut beeinflusst den Abbau anderer Medikamente, und blutverdünnend wirkende Präparate sind vor einer Operation ein Thema.
- Dosierung nach Körpergewicht gilt auch hier. Was für einen zwanzig Kilo schweren Hund gedacht ist, ist für ein Kaninchen eine ganz andere Menge.
Naturheilkunde ist bei mir kein eigenes Angebot mit eigenem Wartezimmer, sondern Teil der normalen Sprechstunde. Ich untersuche Ihr Tier, stelle eine Diagnose und schlage dann vor, was ich für sinnvoll halte. Lässt sich beides gut ergänzen, kommt beides in den Plan.

Bringen Sie mit, was Sie geben
Wenn Sie Ihrem Tier bereits etwas geben, ob Kräutermischung, Tropfen, Globuli oder ein Ergänzungsfutter aus dem Internet, bringen Sie die Packung zum Termin mit. Nicht damit ich es Ihnen ausrede, sondern damit ich weiß, was drin ist. Manches passt gut zu dem, was ich verordnen würde, manches hebt es auf, und bei ein paar Präparaten stehen Stoffe auf der Liste, die in dieser Kombination nichts miteinander zu tun haben sollten. Das ist in zwei Minuten geklärt, wenn ich die Packung sehe. Ohne sie rate ich nur.
Dr. med. vet. Márcia Cavalcanti
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