Ratgeber

Welpe kaufen: worauf Sie achten sollten

Ein Welpe wird oft in zwei Tagen ausgesucht und bleibt fünfzehn Jahre. Woran ich in der Praxis erkenne, wo ein Tier herkommt, und welche Fragen Sie vorher stellen sollten.

Dr. med. vet. Márcia Cavalcanti Überarbeitet am 9. September 2026 3 Minuten Lesezeit

Golden-Retriever-Welpe schläft zusammengerollt in einem Korbkörbchen mit heller Decke
Die ersten acht Wochen beim Muttertier entscheiden über mehr als die Rasse. Was dort versäumt wird, holt später niemand nach.

Ein Welpe wird meist innerhalb weniger Tage ausgesucht und bleibt zwölf bis fünfzehn Jahre. Diese Rechnung verliert in dem Moment, in dem man den Kleinen zum ersten Mal sieht, gegen die Gefühle, und genau darauf setzt der Teil des Marktes, der von schlecht gezüchteten Tieren lebt.

Ich sehe die Folgen davon in meiner Sprechstunde, meist zwei bis fünf Tage nach dem Kauf. Ein Welpe, der nicht frisst, Durchfall hat und rapide abbaut. Die Geschichte dazu ist fast immer dieselbe: Anzeige im Internet, günstiger Preis, Übergabe irgendwo unterwegs, Papiere sollten nachgereicht werden.

Woran Sie einen seriösen Züchter erkennen

Der beste Prüfstein ist unspektakulär: Ein guter Züchter stellt Ihnen mehr Fragen, als Sie ihm stellen. Er will wissen, wie Sie wohnen, wer tagsüber da ist, ob Sie Erfahrung haben. Wer Ihnen ein Tier ohne jede Rückfrage verkauft, hat kein Interesse daran, wo es landet.

Daneben gilt:

  • Sie sehen die Mutterhündin zusammen mit den Welpen, im selben Raum, und sie verhält sich zu ihnen wie eine Mutter
  • Sie sehen, wo die Welpen leben, mitten im Haus und nicht in Keller oder Garage
  • Abgabe frühestens mit acht Wochen. Früher getrennt fehlt ihnen ein Stück Sozialisierung, das niemand nachholt
  • Wenige Würfe im Jahr und nicht mehrere Rassen im Angebot
  • Sie dürfen mehrfach kommen und werden nicht gedrängt
  • Er nimmt den Hund zurück, wenn es bei Ihnen nicht funktioniert

Fragen Sie ihn außerdem, warum er sich für diese Rasse entschieden hat. Die Antwort darauf verrät oft mehr als alle anderen zusammen.

Wann Sie den Kauf abbrechen sollten

Diese Zeichen sprechen für den illegalen Welpenhandel, und dann gehen Sie besser:

  • Übergabe an einem neutralen Ort, auf einem Parkplatz oder an der Autobahn
  • Die Mutter ist "gerade beim Tierarzt" oder anderweitig nicht zu sehen
  • Mehrere Rassen gleichzeitig im Angebot, jede Woche neue Anzeigen
  • Der Preis liegt auffällig unter dem üblichen
  • Der Welpe wirkt zu jung, zu klein oder teilnahmslos
  • Impfpass ohne Chargenaufkleber und ohne Stempel, keine Chipnummer
  • Der Verkäufer drängt: heute noch, sonst nimmt ihn ein anderer

Und dann noch etwas, das schwerfällt: Kaufen Sie einen kranken Welpen nicht aus Mitleid frei. Wer das tut, finanziert den nächsten Wurf. Notieren Sie stattdessen Kennzeichen und Anzeige und melden Sie es dem Veterinäramt.

Wie ein gesunder Welpe aussieht

Darauf schaue ich als Erstes, und darauf können Sie beim Besuch selbst achten: klare Augen ohne Ausfluss, saubere Nase und Ohren, sauberer After ohne verklebtes Fell, glänzendes Fell ohne kahle Stellen, ein flacher Bauch. Ein aufgeblähter Bauch bei schmalem Körper spricht für starken Spulwurmbefall, mehr dazu im Beitrag über Würmer beim Hund.

Und das Verhalten: neugierig, wach, kommt auf Sie zu, spielt mit den Geschwistern. Ein Welpe, der teilnahmslos in der Ecke liegt, ist nicht ruhig, sondern in aller Regel krank.

Was Sie beim Besuch nicht erkennen können, ist ein Herzgeräusch, ein Nabelbruch oder ein nicht abgestiegener Hoden. Dafür braucht es die Untersuchung, und die gehört in die erste Woche nach dem Einzug.

Welche Papiere Sie bekommen müssen

Einen schriftlichen Kaufvertrag mit den Daten beider Seiten, der Chipnummer, dem Geburtsdatum und Angaben zum Gesundheitszustand bei Übergabe. Was der Verkäufer über die Gesundheit zusagt, sollte darin stehen und nicht nur gesagt worden sein.

Dazu den Impfpass oder EU-Heimtierausweis mit eingetragener Chipnummer, Impfungen mit Datum, Chargenaufkleber und Praxisstempel. Bei einer Rassezucht kommen Ahnentafel und die Untersuchungsbefunde der Elterntiere dazu.

Wenn es eine Katze wird, gilt fast dasselbe, mit zwei Zusätzen: Fragen Sie nach einem Test auf FIV und FeLV, und nehmen Sie zwei junge Katzen statt einer. Zu zweit lasten sie sich gegenseitig aus, und das macht Ihnen das Leben leichter.

Dr. med. vet. Márcia Cavalcanti
Mein Tipp als Tierärztin

Kommen Sie in der ersten Woche, nicht erst zur Impfung

Vereinbaren Sie den ersten Termin für die Tage direkt nach dem Einzug, noch bevor die nächste Impfung fällig ist. Das hat zwei Gründe. Erstens finde ich Dinge, die man einem Welpen nicht ansieht: ein Herzgeräusch, einen Nabelbruch, einen Hoden, der nicht abgestiegen ist, einen Parasitenbefall. Zweitens zählt beim Kauf die Frist: Wenn etwas nicht stimmt, ist ein tierärztlicher Befund aus den ersten Tagen etwas ganz anderes als einer aus dem dritten Monat. Rufen Sie an, sobald der Einzugstermin steht, dann halte ich Ihnen einen Platz frei.

Dr. med. vet. Márcia Cavalcanti

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